Warum Gutscheine nicht immer gut sind

Frau bekommt Blumen (Comic), Thema Gutscheine

„Verdammt, Yannik hat ja heute Geburtstag!“, fällt es Irene am Nachmittag im Dresdner Café Toskana urplötzlich ein. „Warte, ich google mal“, klärt Noah. Und wenige Klicks später freut Yannik sich bereits über einen Gutschein von den beiden als Zuschuss fürs neue Handy. 

Keine Frage, das Geschäft mit Gutscheinen boomt, schon seit Jahren. Und das längst nicht mehr nur bei der Zielgruppe junge Erwachsene. Gutscheine sind generationsübergreifend beliebt, entweder um selbst Geld zu sparen, oder als unkompliziertes Geschenk. Laut de.statista.com kam 2018 bei fast der Hälfte aller Konsumenten mindestens ein Gutschein für Mode und Bekleidung zum Einsatz. Gut ein Drittel verwendeten Gutscheine für Elektronik / Unterhaltungstechnik, also TV, Computer, Handys, Tablets, gefolgt von allen nur denkbaren Gütern. Lediglich Finanzdienstleister sowie - fun fact - Dating-Plattformen hatten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten, ihre Gutscheine an die offenbar nicht ganz so begierige Kundschaft zu bringen. Neben den besagten Vorteilen - hier geht’s allein um käuflich erworbene Gutscheine - gibt es jedoch zwei Dinge, auf man achten sollte: 

Die Haken an Gutscheinen

1. Das Verfallsdatum. Fast jeder dieser kleinen Wertpapiere hat einen überschaubaren Gültigkeitszeitraum, oft von 24 Monaten. Okay, das ist zu schaffen. Und mal ehrlich: Löst der / die Begünstigte in den ersten Wochen den Gutschein nicht ein, kann die Sehnsucht nach Neuem so groß nicht sein. Der zweite Pferdefuss ist dagegen heftiger.

2. Die Insolvenz. Geht die Firma, für die der Gutschein ausgestellt wurde, pleite, ist damit auch der Gutschein futsch. Und zwar ganz unabhängig vom hierfür bezahlten Preis. Hat man viel ausgegeben, kann zwar eine Insolvenzforderung nach § 174 der Insolvenzordnung gestellt werden. Dabei springen in der Regel jedoch nicht mehr ein bis zwei Prozent des ursprünglichen Wertes heraus. Ergo: Macht kaum jemand. 

Aber passiert das wirklich oft? 

Ja, Firmenpleiten gibt es häufiger, als man jetzt auf Anhieb vielleicht denkt. Wer hätte schon mit der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania in diesem Frühjahr gerechnet? Hier lösten sich nicht nur zahlreiche gebuchte, und damit bezahlte, Tickets innerhalb von Sekunden in Luft auf, sondern auch Gutscheine. Und bei Werten ab hundert Euro ist das dann schon ärgerlich. Doch selbst in kleineren Dimensionen haben nur wenige Kunden Verständnis dafür, wenn sie für ihr Geld keine Gegenleistung mehr erhalten. Schließlich hat die begünstigte Firma es ja eingenommen, damit gearbeitet. Genau das ist der Trick an dem massiven Gutschein-Geschäft, die Betriebe erhalten Liquidität, ohne zunächst etwas dafür tun zu müssen. Und manchmal müssen sie das auch gar nicht, Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Fünftel aller Gutscheine nie eingelöst werden. Fundierte Zahlen darüber gibt es nicht, zu ungern wollen die Firmen sich diese schönen Zusatzeinnahmen schlecht schreiben lassen.  

Alternativen

Als Irene die Rechnung im Café Toskana mit einem Gutschein begleichen will, erntet sie einen bedauernden Blick. „Unser Betreiberfirma, die Bäckerei Eisold, hat leider Insolvenz beantragt“, erklärt die Bedienung. Nur Bares sei jetzt Wahres. Irene weigert sich, will ohne zu zahlen erbost das Café verlassen. Womit sie sich des Betruges (Zechprellerei) schuldig machen würde. Noah beruhigt die Situation und übernimmt charmant. Aufgebracht erklärt Irene, dass sie von Gutscheinen künftig die Finger lassen werde. 

Was bleibt als Alternative? Das gute, alte Bargeld verschenken. Oder eben ein vollständiges, richtiges Geschenk. Analog, handfest und sicher.

Wie wär's mal wieder mit Blumen, zum Beispiel? 

 

(Text: Frank Jaspermöller, Bild: pixabay)