Hartz IV - Wenn Kinder für ihre Eltern haften

DARUM GEHT ES (Link zum Artikel) - Die Geschichte von Anton (Name geändert) in der Süddeutschen Zeitung wird derzeit rasant in den Sozialen Netzwerken geteilt, und das ist sehr gut so! Denn der Fall liest sich zwar wie die ganz große Ausnahme, ist er aber nicht. Dass Hartz-IV-Eltern bei der Angabe ihrer Einkünfte schummeln, um mehr Leistungen zu erhalten - kommt vor. Fliegt die Nummer allerdings auf, werden Rückforderungen fällig. Und insofern sich durch die Schummelei auch die Bezüge der Kleinen erhöht hatten, auch von diesen. Bedeutet: Unzähle Kinder in Hartz-IV-Familien haben offiziell bereits eigene Schulden beim Jobcenter. Ohne eigenes Zutun. Das einzige, was üblicherweise anders läuft: Der Brief mit der Forderung wird nicht an die Minderjährigen selbst, sondern an die Erziehungsberechtigten adressiert. Im Fall von Anton hat beim Jobcenter also schlicht jemand geschlampt, worüber ich froh bin, denn so kommt diese unsäglich Praxis endlich einmal ans Licht. 

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Es darf nicht sein, dass minderjährige Kinder für die Mauscheleien ihrer Eltern herangezogen werden. Auch wenn bei Fälligkeit an ihrem 18. Geburtstag nur das Vermögen zählt, das sie an dem Tag besitzen (im Einzelfall lässt sich dadurch einiges abwenden) - diese Kinder sind beim Aufwachsen bereits verschuldet. Kein aufbauendes Gefühl für den Start ins Leben. Deshalb auch an dieser Stelle nochmals: Der Gesetzgeber muss Kinder so schnell wie möglich aus dem Hartz-System herausnehmen. Besser noch: Dieses System grundsätzlich ersetzen. Die Geschichte von Anton ist ein erneuter, sehr ärgerlicher Beleg dafür, wie dringend nötig das ist. Ich bitte Sie: Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, Sie werden es kaum glauben können.

Bei Problemen mit dem Jobcenter stehe ich gern zur Verfügung! 

Herzlichst, Ihr

Gerhard Rahn, Fachanwalt für Sozialrecht

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(Bild: pixabay)