Ausgelöscht

 

Beim Stöbern in Rechts-News wird mir manchmal ganz mulmig: „Hans R. habe im Oktober 2013 auf seine Frau mindestens fünf Mal mit einem fast drei Kilogramm schweren Feuerlöscher eingeschlagen. Diese verstarb. Hans R. wurde wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt.“ Soweit, so schrecklich. Wo bei anderen aber nun ein vielleicht ein Wir-brauchen-härtere-Strafen-Reflex übernimmt, erblüht bei mir die Neugier. Wie kann es zu solch einer Tat gekommen sein, was war vorgefallen? 

Ich lese weiter. Die Frau besaß stolze 750.000 Euro. Tötung aus Habgier also? Möglich. Neben dem Ehemann sollte die Schwester erben, als dritte in der Erbfolge wurden zwei gemeinnützige Vereine genannt. Die Schwester - kurios - lehnte das Erbe ab, Hans R. gilt aufgrund des Totschlag-Urteils als „erbunwürdig“. Gegen das Urteil hatte er sich vorm Bundesgerichtshof (BGH) zur Wehr gesetzt. Und ebenfalls verloren. Genau wie nun bei einem weiteren Prozess, diesmal gegen die Erbunwürdigkeit.

Hans R. bestreitet die Tat bis heute. Kein Geständnis. Eine zweite Beweisaufnahme wurde jedoch nie durchgeführt, beide Folgeprozesse stützen sich allein auf das Ergebnis der ersten Verhandlung. Zeugen gab es keine. Den unbekannten Dritten aber? 

Wir werden es wohl nicht mehr erfahren. Und wieder einmal mit dem schaurigen Gefühl leben müssen, dass vielleicht ein Unschuldiger alles, aber auch wirklich alles verloren hat. 

Eine möglichst gerechte Woche uns allen, 

Ihr Fachanwalt für Strafrecht Gerhard Rahn

(Urteile: LG Köln, AZ 105 Ks 6/14, BGH 2 StR 150/15, erneut LG Köln 30 O 94/15, Bild: Schaumlöscher zu beziehen über die Baumarktkette OBI - Link)

 

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