Unternehmensinsolvenz (Regelinsolvenz)

Die Insolvenz ermöglicht überschuldeten Unternehmern, Selbstständigen und Freiberuflern einen finanziellen Neuanfang. Last Exit – der letzte Ausweg, sozusagen. Wer sich damit befassen muss, ist selten glücklich darüber. Vorab: Es ist dringend empfehlenswert, einen Insolvenzantrag erst nach einer umfassenden Beratung zu stellen! Man kann sonst ungewollt das Risiko eingehen, dass der Insolvenzverwalter die gewählte Konstruktion anfechtet, um mehr für die Gläubiger rauszuholen. Oder, dass man sich aus Unwissenheit sogar strafbar macht und am Ende trotz guter Absicht im Gefängnis landet. Die Insolvenz ist eine Chance - aber eine, die gründlich vorbereitet sein will! 

Insolvenzverschleppung?

Meist ist schnelles Handeln äußerst wichtig. Zum einen entstehen jeden Tag neue Kosten, und zum anderen kommt irgendwann der Punkt, an dem der Strafbestand einer Insolvenzverschleppung vorliegt. Einzelunternehmer, Freiberufler und alle Gesellschafter einer OHG oder KG betrifft das nicht. Sie müssen lediglich den Geschäftsbetrieb einstellen. Dabei ist es oft sinnvoll, einen laufenden Auftrag noch zu beenden sowie offene Rechnungen einzuziehen. Nach der Beratung und entsprechender Vorbereitungszeit sollte dann umgehend der Insolvenzantrag gestellt werden. Alle Gesellschafter und Geschäftsführer von Firmen, die als GmbH, bzw. haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaften (UG) eingetragen sind, haben jedoch Insolvenzantragspflicht! Sie müssen innerhalb von drei Wochen nach Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellen. Besonders schnell tritt eine Überschuldung bei als Mini-GmbH bezeichneten Gesellschaften ein, denn hier ist meist kein großes Stammkapital vorhanden.

Pickante Sonderfälle bei einer Insolvenz bilden immer wieder Anwälte, Ärzte, Zahnärzte und Architekten. Bei ihnen muss möglichst vermieden werden, dass mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Zulassung, bzw. die Approbation entzogen wird. 

Darf ich im Insolvenzverfahren selbstständig bleiben?

Ja, das ist möglich, hängt aber vom Insolvenzverwalter ab. Er hat z.B. das Recht, die Betriebsausstattung zu veräußern und dem Unternehmen damit eine wichtige Grundlage zu entziehen. Teilweise tauscht er auch den teuren Lieferwagen gegen eine billige Rostlaube aus. Das ist immer dann ärgerlich, wenn das Auto auch der Werbung dienen soll. (Tipp: In diesem Fall prüfen, ob der Wagen nicht von jemandem geleast werden kann.)  Manche möchten sich auch sofort nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens erneut selbstständig machen. Auch das ist machbar. In dem Fall wird mit dem Insolvenzverwalter über die Höhe des monatlichen Anteils, der an ihn abführt werden muss, verhandelt. Grundregel: Der Verwalter will mindestens den Betrag haben, der abgeführt werden könnte, wenn der Schuldner einer abhängigen Beschäftigung im erlernten Beruf nachgehen würden. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Eine Putzfrau dürfte mit ihrer neuen Selbstständigkeit Millionen machen und die Gläubiger würden keinen Cent davon bekommen. Ein Atomphysiker hingegen, und ähnliche Fälle kommen häufiger vor, der mit seinem neuen Unternehmen nur 500,00 Euro im Monat einnimmt, muss diesen Betrag vollständig an den Insolvenzverwalter abführen; denn als angestellter Physiker würde er sehr viel mehr verdienen. Natürlich ist aber auch hier immer der Einzelfall entscheidend.

Manchmal ist es sinnvoll, das insolvente Unternehmen in eine Auffanggesellschaft zu überführen und in dieser Gesellschaft als angestellter Geschäftsführer weiter zu arbeiten. Dieser Weg kann für größere Unternehmen empfehlenswert sein. Für alle Firmen unter 1.500,00 Euro Monatsumsatz ist er jedoch unsinnig, da zu teuer. 

Sollte ich meiner Bank weiter mein privates Vermögen anvertrauen?

Nein. Wenn Sie als Schuldner bei ihrer Haus-Bank ein (überzogenes) Geschäftskonto führen und dort zudem ein privates Sparkonto besitzen, das noch einen erheblichen Betrag aufweist, sollten sie dies schnellstens ändern. Denn im Falle der Insolvenz kann und wird die Bank beide Konten kündigen und im Rahmen des AGB-Pfandrechts das Guthaben mit den Schulden verrechnen. Um ihr diese Möglichkeit zu nehmen ist es deshalb ratsam, das Geld vom Sparkonto auf ein anderes Kreditinstitut zu überweisen. Damit ist eine Verrechnung unmöglich und mit dem gesicherten Geld kann z.B. ein außergerichtlicher Vergleich mit allen Gläubigern abgeschlossen werden.

Kann ein Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt werden?

Ja, das passiert. Wenn eine GmbH oder UG überhaupt kein Geld oder Wertgegenstände besitzt, so dass noch nicht einmal die Kosten des  Insolvenzverfahrens gedeckt sind, ist der Antrag leider aussichtslos. Einzelunternehmer oder Freiberufler können hingegen zusammen mit dem Insolvenzantrag gleichzeitig einen Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten einreichen. Stimmt das Gericht diesem Antrag zu, darf der Insolvenzantrag bei natürlichen Personen mangels Masse nicht abgelehnt werden. Die Kosten des Insolvenzverfahrens werden dann bis zum Abschluss gestundet; nimmt der Insolvenzverwalter im Rahmen der Verwertung Geld ein, werden sie davon zuerst beglichen. Wer jedoch während der Insolvenz nur sehr geringe Einnahmen hat, von denen nicht einmal die Verfahrenskosten bezahlt werden können, der braucht sich um das Thema nach Abschluss des Verfahrens auch nicht mehr zu kümmern: Für die Verfahrenskosten gilt ebenfalls die Restschuldbefreiung.

Befreit mich eine Insolvenz von Steuerschulden?

Ja. Steuerschulden werden wie alle anderen Verbindlichkeiten in das Insolvenzverfahren mit aufgenommen. Das gilt auch für Schulden aus nicht abgeführter Umsatzsteuer. Hier gibt es keinen Unterschied z.B. zu Mietschulden oder anderen Verbindlichkeiten. Nur wer dem Finanzamt Geld aufgrund einer Steuerhinterziehung schuldet, wird davon bei einer Insolvenz nicht zwingend befreit. In diesen Fällen ist eine detaillierte Rechtsberatung besonders wichtig.

Muss ich die Krankenkassenbeiträge meiner Angestellten weiter zahlen?

Ja, die Sozialversicherungsbeiträge sollten immer gezahlt werden, selbst wenn Sie sich bereits in der Krise befinden. Kommen Sie hier in Verzug, können die Kassen überfällige Beiträge nicht nur umgehend pfänden, sondern es besteht auch die Gefahr der Strafbarkeit. Zudem kann es passieren, dass diese Schulden im Insolvenzverfahren nicht erlöschen. Meist gibt es aber auch hier gute, rechtskonforme Lösungen (vereinbar mit § 266a, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt).

Grundsätzlich gilt: Jede Insolvenz ist anders und immer gibt es Besonderes zu berücksichtigen. Wer eine Insolvenz nicht gu5 vorbereitet, für den kann das langfristige und kostspielige Folgen haben. Wir beraten gern!

(Bildquellen: PR Sony Pictures "Faster", www.karrierebibel.de