Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenz)

Die Schulden wachsen über den Kopf? Die Verzweiflung wird immer größer, die Lage aussichtsloser? Es gibt einen Weg aus der Dauerkrise: Privatpersonen (sowie ehemalige Selbstständige) können als Befreiungsschlag die Verbraucherinsolvenz, auch "Privatinsolvenz", beantragen. Das Verfahren ist in § 304 ff der Insolvenzordnung geregelt.  

Insolvenz, ab wann?

Viele lassen sich von ihren Gläubigern in die Enge treiben. Aus Furcht oder Selbstüberschätzung zahlen sie zu hohe Raten, was die Verzweiflung meist immer größer werden lässt. Lohn- und Kontopfändungen sind dann die nächste Stufe in den Schuldenkeller, in dem oft auch Krankheiten und Depressionen lauern. Deshalb ist es wichtig, sich möglichst frühzeitig beraten zu lassen! Vorab: Auch ohne Insolvenz muss nur der pfändbare Teil des Lohns an die Gläubiger gezahlt werden. Wie hoch der unpfändbare Teil ist, hängt vom Einkommen und den Unterhaltsberechtigen ab (z.B. Ehepartner, Kinder im Haushalt). Grundsätzlich gilt: Erst ab einem Lohn von 1.029,99 Euro netto ist überhaupt etwas pfändbar. Wer weniger verdient, von dem bekommen die Gläubiger auch ohne Insolvenz kein Geld. 

Sind die Schulen so immens, dass sie in absehbarer Zeit nicht abgetragen werden können, empfiehlt es sich, über die Privatinsolvenz nachzudenken. Damit ist man nach sechs Jahren schuldenfrei, für viele der lang ersehnter Befreiungsschlag. 

Einigungsversuch

Voraussetzung für das Insolvenzverfahren ist ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern. Wenn man gar nichts anzubieten hat, wird ein sogenannter Nullplan vorgelegt. Lehnen die Gläubiger den außergerichtlichen Einigungsversuch ab, was bei einem Nullplan quasi sicher ist, dann kann der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Der Insolvenzantrag umfasst 31 Seiten und ist für den Laien an manchen Stellen schwer durchschaubar. Wir reichen den Antrag für unsere Mandanten beim zuständigen Insolvenzgericht ein und kümmern uns um die Restschuldbefreiung.

Was bleibt?

Während der Insolvenz verfügt der Schuldner über das Mindesteinkommen. Das ist oft mehr als vorher übrig blieb, nach Abzug der Ratenverpflichtungen. Bei einer Insolvenzeröffnung muss der gesamte, pfändbare Teil des Vermögens an den Treuhänder abgegeben werden. Dazu zählen Schmuck (keine Eheringe), Sparbücher, Lebensversicherungen und unter Umständen auch das Auto. Ob es zum pfändbaren oder unpfändbaren Teil des Vermögens gehört, ist abhängig vom Wert, und ob es zum Erreichen des Arbeitsplatzes benötigt wird. Teurer Schmuck ist grundsätzlich pfändbar, auch Erbstücke. Wer während der Insolvenz erbt, muss die Hälfte der Erbschaft an den Treuhänder weiterreichen. Nach Ablauf der sechsjährigen, sogenannten Wohlverhaltensperiode werden alle Schulden gelöscht, und mit der Restschuldbefreiung (bzw. dem Schuldenerlass) ist man dann schuldenfrei.

Wertvolle Tipps vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens

P-Konto

Beantragen Sie bei Ihrer Bank ein Pfändungsschutzkonto! Jedes bestehende Girokonto kann in solch ein P-Konto umgewandelt werden, das den Mindestbetrag sichert. Kommt es zur Insolvenz, gehört es zum unpfändbaren Teil des Vermögens. Das Antragsformular, in dem Sie über Ihre Finanziellen Verhältnisse Auskunft geben müssen, füllen wir gern mit Ihnen gemeinsam aus.

Bank wechseln!

Haben Sie bei Ihrer Bank Kreditschulden oder Ihr Girokonto ist stark überzogen? Dann wird die Bank nach Eröffnung der Insolvenz das Konto voraussichtlich kündigen. Teilweise versuchen Banken auch an ihr Geld zu kommen, indem von bei einer Insolvenz von Kontoeingängen nur ein Teil abgehoben werden darf. Wer weiter ohne Probleme über seine Einnahmen verfügen möchte, sollte deshalb ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnen. Das überzogene Kontokorrentkonto (Girokonto) wird dann, genau wie die Forderung anderer Gläubiger, mit in die Insolvenz genommen.

Ratenzahlungen einstellen

Wer ein Insolvenzverfahren beantragen will, sollte keine Zahlungen mehr an Gläubiger leisten. Nur unabdingbare Fixkosten (z.B. Miete, Telefon, Strom) sollten weiter beglichen werden. Alle weiteren Verpflichtungen, besonders Raten für Kredite und andere Schulden, sind ausnahmslos einzustellen. Ganz nach dem bewährten Kaufmannsmotto: „Wirf kein gutes Geld schlechtem hinterher!“

Wenn Sie Fragen zum Ablauf des Insolvenzverfahrens haben, nehmen Sie per Online-Formular Kontakt mit uns auf! Teilen Sie uns Anliegen, Anschrift, Telefonnummer sowie E-Mail-Adresse mit. Insofern wir uns mit einem Schuldenbereinigungsplan oder Insolvenzverfahren befassen sollen ist es von Vorteil, wenn Sie uns Angaben zu Ihren finanziellen Verhältnissen machen. Alle Daten unterliegen der anwaltlichen Schweigepflicht und werden streng vertraulich behandelt. 

Nachtrag: Gesetzeänderungen seit Juli 2014

Vorzeitige Restschuldbefreiung 

Wer innerhalb von drei Jahren 35 Prozent seiner Schulden beglichen hat, für den tritt die Restschuldbefreiung in Kraft, also bereits nach der halben Zeit. Allerdings: Die Kosten des Insolvenzverwalters kommen in vollem Umfang hinzu! Und damit werden aus 35 Prozent dann schnell 75 Prozent. Ein echter Anreiz zur vorzeitigen Schuldentilung ist diese Regelung deshalb nicht. Dasselbe gilt für die Neuregelung, dass die Restschuldbefreiung bereits nach fünf Jahren in Kraft tritt, insofern der Schuldner bis dahin alle Kosten bezahlt hat. Schließlich würden die ein Jahr später in die Restschuldbefreiung einfließen.   

Ausnahmen Restschuldbefreiung

Schulden aus vorsätzlichem Delikt (z.B. Schmerzensgeld nach Körperverletzung, §§ 370, 373 oder 374 InsO) bleiben wie gehabt trotz Insolvenz bestehen. Und zwei weitere Ausnahmen sind hinzugekommen: Pflichtwidrig nicht gezahlte Unterhaltschulden, sowie Steuerschulden nach einer Steuerstraftat (§ 302 InsO). In Sachen Unterhaltsschulden kann das besonders problematisch werden, hier kann die vorsätzliche Pflichtwidrigkeit leicht unterstellt werden. Dann ist es am Schuldner zu beweisen, dass keine Vorsätzlichkeit bestand. Anwaltssache! 

(Fotos: www.wikipedia.de, www.presents4friends.com)